Psychisch krank und anstrengender Job: öfter lange Fehlzeiten

Menschen in körperlich anspruchsvollen Jobs fallen öfter aus, solche mit psychischen Erkrankungen auch. Und wenn beides zusammenkommt?

Schwere körperliche Arbeit, stressige Arbeitsbedingungen … Menschen in belasteten Jobs fallen öfter wegen Krankheit aus. Auch Beschäftigte mit häufigen psychischen Erkrankungen, wie Depression, bipolarer Störung oder Schizophrenie, sind öfter krankheitsbedingt nicht arbeitsfähig. Eine finnische Arbeitsgruppe hat untersucht, wie beide Faktoren in Kombination wirken.

Fragebogen-Daten von gut 6000 Teilnehmenden aus drei Umfragen (2000–2002, 2007 und 2012) der Helsinki Health Study durchsuchte das Team nach verschiedenen körperlich herausfordernden Jobs:

  • gefährliche Exposition (Chemikalien, Staub, Lärm)
  • körperliche Beanspruchung (zum Beispiel wiederholte Rumpfdrehung, schweres Heben und Tragen)
  • Arbeit am PC (sitzend mit Computer und Maus)
  • Schichtdienst

Es verglich die Häufigkeit und Dauer von Krankschreibungen für jede dieser Gruppen – einzeln oder in Kombination mit einer psychischen Erkrankung.

Insgesamt wirkten sich psychische Erkrankungen stärker auf die Arbeits(un)fähigkeit aus als die individuellen Arbeitsbedingungen. Der deutlichste Zusammenhang zwischen der Art der Tätigkeit und krankheitsbedingten Fehlzeiten zeigte sich für Arbeitsplätze mit gefährlicher Exposition und für solche mit körperlicher Beanspruchung, besonders für Krankschreibungen ab vier Tagen.

Je länger die Krankschreibungen, desto markanter war der Zusammenhang – besonders, wenn noch eine psychische Erkrankung dazukam: AUs ab 15 Tagen waren bei der Kombination aus psychischer Erkrankung und gefährlicher Exposition gut 2,6-mal so häufig wie für andere Beschäftigte, bei psychischer Erkrankung plus körperlicher Beanspruchung knapp 3,4-mal so häufig.

Menschen mit reiner Computertätigkeit meldeten sich etwas öfter für 1 bis 3 Tage krank; hierfür spielte es keine Rolle, ob zusätzlich eine psychiatrische Diagnose vorlag. Bei Personen im Schichtdienst unterschied sich die Häufigkeit der Fehltage nicht vom Durchschnitt.

Die höhere Krankheitsanfälligkeit von psychisch erkrankten Beschäftigten mit Exposition gegenüber gefährlichen Substanzen oder schwerer körperlicher Arbeit – besonders für längere Ausfallzeiten – spricht aus Sicht der Studienautor*innen dafür, die Betroffenen in den Blick zu nehmen und Strategien anzugehen, um krankheitsbedingte Fehlzeiten bei ihnen möglichst wirksam zu verhindern. Ihre Vorschläge: eine gezielte Anpassung des Arbeitsplatzes oder ein Rotationsprinzip.

Quellen

Halonen JI, Lallukka T, Kujanpää T et al.: The contribution of physical working conditions to sickness absence of varying length among employees with and without common mental disorders. Scand J Public Health 2020 Jan 21; 1403494820901411 [Online ahead of print]

NP-DE-MLV-BRFS-210001, Jan21