Homeoffice und Psyche: eine komplexe Beziehung

Wie wirkt sich das Arbeiten am heimischen Schreibtisch auf die Psyche aus? In den meisten Fällen eher positiv, sagen Studien. Ein paar Punkte sollte man allerdings beachten. 

2020 zogen zahlreiche Büroarbeitsplätze in die heimischen vier Wände um. Corona machte Beschäftigte unverhofft zu Heimarbeiter*innen – und schenkte ihnen damit neue Flexibilität, aber auch ungewohnte Herausforderungen. Einiges spricht dafür, dass das Homeoffice auch nach der Covid-19-Pandemie nicht wieder aus dem Arbeitsleben verschwinden wird. Welche Folgen hat das Arbeiten von zu Hause für die Psyche?

In einem Literatur-Review fanden Oakman et al. sowohl positive als auch negative Auswirkungen. Viele Beschäftigte verspüren zu Hause weniger Zeitdruck und eine größere Autonomie – und sind deshalb weniger erschöpft. Etliche fühlen sich in den eigenen vier Wänden sehr wohl, andere langweilen oder ärgern sich zu Hause mehr und fühlen sich schneller erschöpft. Vielen fehlen Unterstützung und Feedback; überhaupt spielen die Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen und ihre Unterstützung eine wichtige Rolle für das seelische Wohlbefinden. Insgesamt überwiegen aber die positiven Effekte des Homeoffice auf die Psyche.

Schwierig wird es, wenn Konflikte zwischen Arbeit und familiären Verpflichtungen auftreten. Die Studien stammen zwar überwiegend aus der Zeit vor der Covid-19-Pandemie, doch auch ohne Schulschließungen können parallele Anforderungen von Job und Familie Stress auslösen.

Das Team des Reviews betont, wie wichtig auch im Homeoffice eine gute Organisation, Unterstützung durch Betrieb und Kolleg*innen sowie gute soziale Kontakte auch außerhalb der Arbeit sind.

Dr. Anette Wahl-Wachendorf, Vizepräsidentin des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW), vermutet, dass nicht alle Beschäftigten gleich gut mit der Heimarbeit zurechtkommen. „Es sollte immer geprüft werden, wer ins Homeoffice gehen kann, nicht, wer gehen muss“, empfiehlt sie im Gespräch mit der Ärzte Zeitung. „Es nützt niemandem etwas, mit einer Depression im Homeoffice zu sitzen.“

Eine kolumbianisch/US-amerikanische Arbeitsgruppe hat evidenzbasierte Empfehlungen für die Arbeit im Homeoffice zusammengetragen. Die wichtigsten Punkte:

  • Routinen schaffen (zum Beispiel einen festen Tagesrhythmus)
  • Sich organisieren (dabei können To-do-Listen helfen)
  • Den Arbeitsplatz passend einrichten (möglichst ähnlich dem Platz im Büro)
  • Die Produktivität steigern (dazu gehören konkrete und realistische Ziele)
  • Verantwortungsbewusst handeln (zuerst die Dinge erledigen, die erledigt werden müssen)
  • Extremes Multitasking vermeiden (Ablenkungen reduzieren)
  • Kommunikation und Vernetzung erleichtern (regelmäßige Kontakte mit Vorgesetzten und Kolleg*innen)
  • Auch andere Lebensbereiche pflegen (gesunde Ernährung, guter Schlaf, ausreichend Bewegung, Luft und Licht)

Quellen

Oakman J, Kinsman N, Stuckey R et al.: A rapid view of mental and physical health effects of working at home: how do we optimize health? BMC Public Health 2020; 20: 1825

Wallenfels A: Betriebsärzte warnen: Homeoffice kann seine Schattenseiten haben. Ärzte Zeitung

Lopez-Leon S, Forero DA, Ruiz-Díaz P: Recommendations for working from home during the COVID-19 pandemic (and beyond). Work 2020; 66: 371–375

NP-DE-MLV-BRFS-210002, Feb. 2021