Illegale Drogen am Arbeitsplatz: Richtig reagieren

Regelmäßige Drogentests bei Beschäftigten? Oder lieber weggucken, wenn ein Mitarbeiter mal zugedröhnt bei der Arbeit ist? Besser sind beim Umgang mit illegalen Drogen am Arbeitsplatz Fingerspitzengefühl, klare Regeln und Transparenz.

Im Epidemiologischen Suchtsurvey (ESA) 2018 gaben 71,6 % der Befragten an, in den vergangenen 30 Tagen Alkohol getrunken zu haben, 28,0 % hatten Tabak geraucht, 4,0 % E-Zigaretten. In den vorausgegangenen zwölf Monaten hatten 7,1 % Cannabis konsumiert, 1,2 % Amphetamin, 0,2 % Methamphetamin und je 1,1 % Kokain/Crack und Ecstasy.

In der betrieblichen Suchtprävention geht es deshalb am häufigsten um Alkohol – wegen seiner breiten gesellschaftlichen Akzeptanz das mit Abstand am meisten konsumierte Suchtmittel. An illegale Suchtstoffe wird oft nicht gedacht, sie können aber ebenfalls Arbeitskraft und Arbeitssicherheit erheblich beeinträchtigen.

Was tun? Sollten Angestellte regelmäßig Drogentests absolvieren? Und wie sollte man reagieren, wenn Beschäftigte offensichtlich unter Drogeneinfluss stehen?

Generelle Drogentests und Screenings im Betrieb lösen das Problem aus der Sicht von Prof. Michael Kretzschmar und Dr. Silke Kretzschmar nicht – sie entsprächen nicht den Prinzipien der Suchtprävention. Sollen sie trotzdem durchgeführt werden, etwa in Risikobereichen, sei das durch Betriebsvereinbarungen zu regeln.

Auch für den Umgang mit Beschäftigten, die unter akuter Beeinträchtigung durch Substanzgebrauch stehen, plädieren der Chefarzt des Zentrums für Schmerztherapie und Palliativmedizin des Waldklinikums Gera und die Arbeitsmedizinerin mit Praxis in Gera für eine innerbetriebliche Regelung; sie gebe Sicherheit für das konkrete Handeln, schaffe Transparenz und zeige, dass das Unternehmen den Arbeit- und Gesundheitsschutz ernst nehme.

Im Einzelfall könne den Beschäftigten ein Test auf freiwilliger Basis angeboten werden, so Kretzschmar und Kretzschmar – zur Entlastung, etwa bei Auffälligkeiten am Arbeitsplatz. Auch zur Unterstützung der Konsumreduzierung oder des Abstinenzverhaltens könnten individuelle Konsumkontrollen geeignet sein; diese sollten dann einzelvertraglich vereinbart werden.

Die Handlungsempfehlungen zur Suchtprävention in der Arbeitswelt der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) betonen ebenfalls die Bedeutung einer guten und klaren Kommunikation für den Umgang mit Betroffenen. Wichtig seien eine gute Gesprächsatmosphäre und eine sachliche Gesprächsführung. Am Ende eines Gesprächs sollten die wichtigsten Punkte und konkreten Vereinbarungen zusammengefasst werden. Anlasslose Drogenscreenings sehen auch die DGUV-Handlungsempfehlungen als möglichen freiwilligen Teil der Nachsorge.

Handlungsbedarf sieht die DGUV-Info immer dann, wenn die Leistung gefährdet ist. Führungskräften empfiehlt sie: „Sie müssen handeln, sobald eine Beeinträchtigung vorliegt und Sie nach ihrer eigenen Lebenserfahrung davon überzeugt sind, dass die betroffene Person ihre arbeitsvertraglichen Verpflichtungen nicht mehr hinreichend erfüllen kann.“

Quellen

Atzendorf J, Rauschert C, Seitz NN, Lochbühler K, Kraus L: Gebrauch von Alkohol, Tabak, illegalen Drogen und Medikamenten. Schätzungen zu Konsum und substanzbezogenen Störungen in Deutschland. Dt Ärztebl 2019; 116: 577–584
Kretzschmar M, Kretzschmar S: Illegale Drogen in der Arbeitsmedizin. Seminar auf dem 12. Arbeitsmedizinischen Sommersymposium der GSK-Impfakademie, 17./18.7.2015 in Erfurt auf dem Berge J, Hupfer K, Riedel U, Schreiber-Costa S, Wagner G: Suchtprävention in der Arbeitswelt – Handlungsempfehlungen. DGUV Information 206-009, 2019

NP-DE-MLV-BRFS-200006, Sep20