Impfung gegen Gürtelrose: verhindert Ausfälle am Arbeitsplatz

Einerseits bekommen Impfungen durch die COVID-19-Pandemie mehr Aufmerksamkeit. Andererseits werden viele Standardimpfungen durch Corona aus dem Rampenlicht verdrängt – wie jene gegen Herpes zoster.

Gerade reden alle über die Impfung gegen COVID-19. Andere Immunisierungen geraten dabei leicht aus dem Blickfeld. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut mahnt: „Gerade während der Pandemie kommt allgemein gültigen Präventionsmaßnahmen zum Schutz der Bevölkerung große Bedeutung zu.“ Denn die anderen Erkrankungen sind ja nicht verschwunden.

Die STIKO betont besonders die Impfempfehlungen für ältere Menschen, Immunsupprimierte oder andere mit gesundheitlichen Risikofaktoren – darunter die Immunisierung gegen Gürtelrose (Herpes Zoster, HZ). Das betrifft auch die Arbeitsmedizin, denn infolge der demografischen Entwicklung werden die Erwerbstätigen (im Schnitt) immer älter und unter ihnen finden sich immer mehr chronisch Kranke.

Die Zahl der HZ-Erkrankungen wird deshalb gerade in Industrieländern in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen – auch in der arbeitenden Bevölkerung. In der bevölkerungsbezogenen Kohortenstudie German National Cohort gaben 11% der Befragten an, schon (mindestens) einmal an Herpes Zoster erkrankt zu sein. Bei den Über-50-Jährigen hatten fast 6% der Erkrankungen eine postherpetische Neuralgie nach sich gezogen. Das wirkt sich sehr konkret auf die Lebensqualität aus – und auf die Arbeitswelt:

  • In einer US-Studie gaben 43% der Betroffenen an, während der letzten HZ-Episode mindestens einen Tag krankheitsbedingt nicht gearbeitet zu haben, 29% zumindest einen Teil eines Tages. Je schwerer die Erkrankung, desto höher war die Wahrscheinlichkeit für eine Krankschreibung oder Arbeiten mit eingeschränkter Fitness.
  • Eine gepoolte Analyse von Beobachtungsstudien aus acht verschiedenen Ländern fand bei knapp 58% der HZ-Patientinnen und -Patienten Angaben, wegen der Erkrankung am Arbeitsplatz gefehlt zu haben. Bei vielen derjenigen, die ihre Tätigkeit weiterhin ausübten, war die Arbeitseffektivität deutlich reduziert.
  • In einer Telefonumfrage unter Betroffenen in den USA gaben ungefähr zwei Drittel an, die Erkrankung habe sich auf ihre Alltagsaktivitäten ausgewirkt. 51% hatten deshalb bei der Arbeit gefehlt, etwa ebenso viele gaben eine schlechtere Leistungsfähigkeit bei der Arbeit an. Zusammengerechnet ergab sich ein Verlust an 116 Stunden Arbeitskraft pro HZ-Episode unter 50-bis-64-Jährigen.

Eine Impfung gegen HZ sollte also auch aus arbeitsmedizinischer Sicht erwogen werden. Die STIKO empfiehlt sie für alle ab 60 sowie für Personen ab 50 mit schweren Grunderkrankungen. Die gute Nachricht: Nach Engpässen in den vergangenen Jahren steht jetzt dank optimierter Produktion ausreichend Vakzin zur Verfügung.

Quellen

Stellungnahme der Ständigen Impfkommission: Durchführung von empfohlenen Schutzimpfungen während der COVID-19-Pandemie. Epidemiologisches Bulletin 18/2020, 30.4.2020

Caputo M, Horn J, Karch A et al.: Herpes zoster incidence in Germany – an indirect validation study for self-reported disease data from pretest studies of the population-based German National Cohort. BMC Infect Dis 2019; 19: 99

Johnson KD, Brenneman SK, Newransky C et al.: A cross-sectional survey of work and income loss consideration among patients with herpes zoster when completing a quality of life questionnaire. BMC Health Serv Res 2018; 18: 662

Rampakakis E, Stutz M, Kawai K et al.: Association between work time loss and quality of life in patients with Herpes Zoster: a pooled analysis of the MASTER studies. Health Qual Life Outcomes 2017; 15: 11

Singhai PK, Makin C, Pellissier J et al.: Work and productivity loss related to herpes zoster. J Med Econ 2011; 14: 639–645 

GlaxoSmithKline: Liefersituation für Gürtelrose-Impfstoff entspannt sich. Presseinformation, 25.1.2021

NP-DE-MLV-BRFS-210003, Mär. 2021