Rentner: schlafen länger und besser

Die meisten Menschen im Ruhestand schlafen besser als während ihres Arbeitslebens. Aber warum eigentlich?

Die „Finnish Retirement and Aging (FIREA)”-Studie kommt zu ähnlichen Ergebnissen wie andere vor ihr: Im Ruhestand schliefen die gut 2.000 Teilnehmer:innen im Schnitt 19 Minuten pro Nacht länger als vor ihrer Berentung. Ihr Schlaf war erholsamer und wurde nicht mehr so leicht durch Sorgen gestört, sie wachten nicht mehr so oft zu früh auf und waren tagsüber weniger müde. Das Alter verspricht also frische Zeiten. Ein- und Durchschlafstörungen nahmen in der Rente allerdings nicht ab.

Das finnische Forschungsteam untersuchte gezielt den Zeitraum um den Renteneintritt – mit Messzeitpunkten unmittelbar davor und dann jeweils im Anstand von drei Monaten. So konnte es zeigen, dass die Effekte sehr schnell eintreten: Schon bei der ersten Messung nach dem Renteneintritt hatten sich die Schlafparameter signifikant verändert, danach tat sich nicht mehr viel.

Was genau macht den Schlaf nach der Berentung eigentlich erholsamer? Es liegt nahe, den Grund im weggefallenen Stress zu suchen. Gesucht haben die Finnen. Fündig wurden sie hier jedoch nicht; für typische Stressfaktoren am Arbeitsplatz, wie hohe Arbeitsbelastung, Arbeitszeitkontrolle, unausgewogene Balance zwischen Arbeitseinsatz und Belohnung oder organisatorische Ungerechtigkeit, fand sich kein wesentlicher Zusammenhang mit Veränderungen des Schlafs nach dem Ende des Arbeitslebens. Auch die Zahl der Stressfaktoren wirkte sich nicht systematisch aus.

Es bleibt unklar, was Rentner:innen besser (bzw. Beschäftigte schlechter) schlafen lässt. Interessant wäre es aus Sicht der Autor:innen, zu untersuchen, wann die Neu-Ruheständler:innen schlafen – als Hinweis darauf, ob vielleicht der Chronotyp eine Rolle spielt. Wenn Spättypen jahrelang der Arbeit wegen zu früh aus dem Bett mussten, könnte allein die Tatsache, dass sie jetzt ihren Rhythmus selbst bestimmen können, zu längerem und vor allem besserem Schlaf führen. Der weggefallene Stress bei der Arbeit scheint jedenfalls nicht der (Haupt-)Grund zu sein.

Quellen

Myllyntausta S, Salo P, Kronholm E et al.: Does removal of work stress explain improved sleep following retirement? The Finnish Retirement and Aging (FIREA) study. Sleep 2019; 42 (8)

NP-DE-MLV-BRFS-200001, Jan20