Schlafapnoe: verdoppelt Risiko für Arbeitsunfälle

Wer nachts stark schnarcht und Atemaussetzer hat, kann tags kaum mit voller Konzentration seinen Job erledigen. Das wirkt sich auf die Häufigkeit von Arbeitsunfällen aus, wie eine Studie zeigt.

Die obstruktive Schlafapnoe ist häufig – nach allem, was wir wissen, sehr viel häufiger als die offizielle Diagnose. Weil Betroffene tagsüber oft müde und unkonzentriert sind, könnte man annehmen, dass ihnen auch häufiger Arbeitsunfälle passieren. Das hat eine kanadische Studie nun untersucht.

Dafür wurden 1109 Patienten eines Schlaflabors für einen Zeitraum von fünf Jahren nach der Polysomnografie nachverfolgt. 78 von ihnen (7%) hatten in dieser Zeit insgesamt 140 Arbeitsunfälle. Das Risiko für einen Arbeitsunfall unterschied sich dabei signifikant: 4,5% der Beschäftigten ohne Schlafapnoe hatten einen Arbeitsunfall, aber 8,6% derjenigen mit mittlerer oder schwerer Schlafapnoe. Die Inzidenz war also bei den Betroffenen praktisch doppelt so hoch (Odds Ratio 1,99).

Die Schwere der Erkrankung wird mit dem Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) bestimmt: Bei 6 bis 14 Apnoe- oder Hypopnoe-Ereignissen (über zehn Sekunden Dauer) pro Stunde liegt eine leichte Schlafapnoe vor, bei 15 bis 30 ist sie mittelschwer, bei über 30 schwer. Die Teilnehmer der kanadischen Studie hatten im Mittel einen AHI von 15/h und einen BMI von 30 kg/m2, gut 70% waren Männer – im Schnitt entsprach das Studienklientel also den typischen Schlafapnoe-Patienten.

Entscheidend ist das erhöhte Unfallrisiko vor allem für Menschen, die Maschinen bedienen und/oder handwerkliche Tätigkeiten ausüben; in der Studie betraf das 29% der Untersuchten. Auswirken dürften sich Müdigkeit und Unkonzentriertheit aber auch dort besonders kritisch, wo sicherheitsrelevante Entscheidungen getroffen werden. Das schlägt sich vermutlich nicht immer in Arbeitsunfällen nieder, wurde hier also nicht gemessen, könnte sich aber indirekt ebenfalls auf die Sicherheit (auch) am Arbeitsplatz auswirken.

Ein so entscheidender Risikofaktor sollte in der Arbeitsmedizin unbedingt berücksichtigt werden – in der Prophylaxe als auch bei der Beurteilung bereits stattgefundener Ereignisse.

Quellen

Hirsch Allen AJ, Peres B, Ayas NT: Obstructive sleep apnea severity and the risk of occupational injury: A prospective observational cohort. Lung 2020; 198: 283–287

NP-DE-MLV-BRFS-2000XX, Okt20