Schweißen: erhöhtes Risiko für Kehlkopf- und Mundkrebs

Schweißrauch ist als kanzerogen klassifiziert – wegen des erhöhten Risikos für Lungenkrebs infolge der Exposition. Eine französische Fall-Kontroll-Studie belegt nun auch ein erhöhtes Risiko für Kehlkopfkrebs und Krebs der Mundhöhle.

Aus dem Datenpool der Studie Investigation of occupational and environmental CAuses of REspiratory cancers (ICARE) hat das Forschungsteam Daten von 1588 männlichen Patienten mit Kopf-Hals-Krebs sowie 2703 männlichen Kontrollen ausgewertet – und für Schweißer ein um den Faktor 1,3 erhöhtes Risiko für Kopf-Hals-Krebs gefunden (Odds Ratio 1,31).

Im Gegensatz zu früheren Studien wurden bei ICARE nicht nur Beschäftigte mit der Berufsbezeichnung „Schweißer” als exponiert gewertet, sondern auch jene, die die Tätigkeit lediglich vorübergehend oder zusätzlich zu anderen Aufgaben ausgeübt hatten. Für alle wurde die kumulative und die gewichtete Expositionsdauer erfasst.

Am ausgeprägtesten war der Zusammenhang zwischen Schweißen und Krebs für Kehlkopfkarzinome (OR 1,66); er nahm mit der Dauer der Exposition zu. Bei mehr als 10-jähriger Exposition war außerdem das Risiko für Mundhöhlenkrebs etwa verdoppelt.

Schweißrauch enthält verschiedene chemische Stoffe – je nach verschweißtem Metall, Beschichtung und Schweißverfahren. In der ICARE-Studie erhöhte besonders das Schweißen von Eisen das Risiko für Kehlkopfkrebs (OR 1,83 gegenüber anderen Metallen). Wurde die Metalloberfläche vor dem Schweißen mechanisch gereinigt, stieg das Risiko für Kopf-Hals-Krebs bzw. speziell von Kehlkopfkrebs ebenfalls (OR 1,42 bzw. 1,66), auch eine chemische Reinigung mit Säure wirkte sich stark auf das Risiko aus (Kopf-Hals-Krebs OR 2,69, Mundkrebs OR 4,42, Kehlkopfkrebs OR 4,53). Eine lange Exposition gegenüber Lichtbogenschweißen war mit Kehlkopfkrebs assoziiert, während bei langem Punktschweißen das Risiko für Mundkrebs erhöht war.

Bislang ist nicht bekannt, was genau Schweißrauch so gefährlich macht.  Klar ist, dass der Rauch eingeatmet wird und so direkt auf das Epithel der oberen Atemwege trifft. Wissenschaftliche Evidenzen legen nahe, dass Schweißrauch Entzündungsprozesse und eine Immunsuppression hervorruft. Diese Mechanismen, die für die Entstehung von Lungenkarzinomen verantwortlich gemacht werden, wirken sich vermutlich auch auf andere Teile der Atemwege aus.

Atemschutzgeräte könnten die Schleimhäute schützen. In der aktuellen Studie gaben allerdings nur 7 % der exponierten Teilnehmer an, einen Atemschutz zu verwenden.

Quellen

Barul C, Matrat M, Auguste A et al.; ICARE study group: Welding and the risk of head and neck cancer: the ICARE study. Occup Environ Med 2020; 77: 293–300

NP-DE-MLV-BRFS-200008, Nov20