Karpaltunnelsyndrome sind häufig – vor allem bei Menschen, die mit den Händen arbeiten. Die gute Nachricht: Durch eine gute Arbeitsorganisation lässt sich ihre Häufigkeit verringern.

Das Karpaltunnelsyndrom ist eine häufige Erkrankung. Besonders oft betroffen sind Beschäftigte, die mit den Händen arbeiten. Wiederholte gleiche Handbewegungen, dauernde Beugung des Handgelenks, ein häufiger fester Griff an Werkzeugen oder langanhaltende Vibrationen haben sich als besonders markante Risikofaktoren herausgestellt. In Deutschland ist das Karpaltunnelsyndrom seit 2015 als Berufskrankheit anerkannt.

Können Karpaltunnelsyndrome verhindert werden? Eine tschechische Studie hat das untersucht – direkt in einem Automobilwerk. Von 2008 bis 2014 wurden Montagearbeiter jährlich untersucht – inklusive Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, um die Ergebnisse zu objektivieren. Während des Untersuchungszeitraums wurden Präventionsmaßnahmen eingeführt, darunter technische Anpassungen, eine ergonomischere Arbeitsorganisation, die die Bewegungsbelastung der oberen Extremität verringert, und ein Rotationssystem, um langfristige einseitige Belastungen zu vermeiden.

Das führte zu einem messbaren Rückgang der Prävalenz: Fand sich etwa 2011 bei 18,3 % der untersuchten oberen Extremitäten verringerte Nervenleitgeschwindigkeiten des N. medianus, kam das 2013 nur noch bei 10,5 % vor. Anfang 2014 wurde eine Produktionsbeschleunigung im Betrieb eingeführt – und die Häufigkeit auffälliger Neurografie-Befunde stieg wieder auf nun 16,9 %. Im Verlauf der Studie wurden kombinierte sensorische und motorische Störungen des N. medianus seltener; ab 2013 überwogen rein sensorische Einschränkungen (die eher frühen Krankheitsstadien entsprechen). Die Zahl der Angestellten, deren Arbeitsverträge wegen eines Karpaltunnelsyndroms beendet wurden, sank im Untersuchungszeitraum von 5,5 % auf 0,4 %.

Gezielte Präventionsmaßnahmen können das Risiko für ein Karpaltunnelsyndrom also deutlich senken. In der vorliegenden Studie gingen die Veränderungen auf die Initiative eines Arbeitsmediziners, des Sicherheitsbeauftragten des Automobilwerks und des Unternehmensmanagements zurück – und sie waren von einem beeindruckenden Erfolg gekrönt.

Quelle
Žídková V, Nakládalová M, Zapletalová J, Nakládal Z, Kollárová H: Experiences with preventing carpal tunnel syndrome in an automotive plant. Int J Occup Med Environ Health 2017; 30: 45–54

Hoehne-Hückstädt U, Schedlbauer G, Hartmann B, Sander M, Spallek M, Zagrodnik F: Das Karpaltunnelsyndrom als Berufskrankheit. Zbl Arbeitsmed 2014; 64: 113–116

DE/ENG/0001/17n, Dez17