Jobbedingte Allergien sind häufig. Ihre Diagnose ist also täglich Brot für Arbeitsmediziner – aber alles andere als einfache Routine.

Asthma und Rhinitis infolge beruflich bedingter Sensibilisierung auf Allergene sind sehr häufig – und haben oft gravierende Folgen für die Berufsausübung. Mehr als 400 Substanzen werden in der Fachliteratur als potenziell sensibilisierend für Atemwegserkrankungen beschrieben. Unter ihnen sind hochmolekulare und niedermolekulare Verbindungen. Wie sie die Erkrankungen herbeiführen, ist nicht genau bekannt. Vermutlich spielt (oft) eine IgE-vermittelte Sensibilisierung eine Rolle.

Bekannte hochmolekulare Allergene sind Proteine oder Glykoproteine in Mehl und Getreide, Enzymen, Labortieren, Fisch und Meeresfrüchten, Enzymen in Futter und Reinigungsmitteln, Schimmelpilzen und Latex. Unter den niedermolekularen Verursachern finden sich Isozyanate, Persulfat-Salze, Metalle, Reinigungs- und Desinfektionsmittel sowie Arzneimittel.

Die Diagnose einer Allergisierung und die Identifizierung der Auslöser ist nach wie vor eine große Herausforderung. Eine deutsch-spanisch-belgische Arbeitsgruppe hat den aktuellen Kenntnisstand hierzu zusammengetragen. Ihre Schlussfolgerungen:

  • Wie die Reaktion auf allergene Substanzen am besten festgestellt wird, ist speziell für arbeitsmedizinische Belange noch wenig untersucht – außer für Latex und Getreidemehle.
  • Allergen-Extrakte mit rekombinanten Allergenen zu kombinieren, könnte die Sensitivität für spezifische IgE steigern.
  • Die Identifizierung spezifischer IgE gegen Allergene am Arbeitsplatz hilft möglicherweise, zwischen verschiedenen Sensibilisierungswegen zu unterscheiden (Kontakt über die Atemwege oder die Schleimhäute? Bäcker-Asthma oder Lebensmittelunverträglichkeit? …).
  • Die Bestimmung spezifischer IgE gegen aktuell zur Verfügung stehende Komponenten von Arbeitsplatz-Allergenen konnte die Sensitivität der Tests im Vergleich zu spezifischen IgE gegen natürliche Extrakte nicht erhöhen, im Fall von Latex aber die Spezifität und die Vorhersagekraft für arbeitsbedingtes Asthma.
  • Für typische Arbeitsplatz-Allergene wie Meeresfrüchte, Kaffee, Sojabohnen und Schimmelpilze sind einzelne charakteristische Allergene verfügbar. Eine abschließende Beurteilung ihres Werts für die Diagnostik steht allerdings noch aus.

Quelle
Raulf M, Quirce S, Vandenplas O: Addressing Molecular Diagnosis of Occupational Allergies. Curr Allergy Asthma Rep 2018; 18: 6

DE/ENG/0001/18e, Mai18