Haltungsprobleme, Giftstoffe, Stress – Zahnärztinnen und -ärzte sind vielfältigen Gesundheitsrisiken ausgesetzt. Ein Literatur-Review hat die wichtigsten Gefahren zusammengetragen, darunter einige überraschende.

Alle englischsprachigen Querschnittsuntersuchungen, Fallstudien und systematischen Literatur-Reviews zwischen 2001 und 2016 zu Gesundheitsbeschwerden von Menschen, die in zahnärztlichen Praxen arbeiten, hat das Team um Rajeshree Moodley gesammelt – insgesamt 49 Stück. Folgende jobbedingte Probleme hat es ausgemacht:

  • Muskel-Skelett-Erkrankungen stehen bei den Beschwerden von Zahnärzten und anderem Personal in zahnärztlichen Praxen ganz oben; etwa drei Viertel klagen über Schmerzen im Bewegungsapparat. Am häufigsten betroffen sind Nacken, unterer Rücken und Schultern – vermutlich infolge ungünstiger und unflexibler Haltungen bei der Arbeit. Frauen haben häufiger als Männer Schmerzen im Zervikal-, Lumbal-, Dorsal- und Handgelenkbereich.
  • Stress und Burnout machen ebenfalls vielen zu schaffen. In einer Studie gaben fast 95 % der Befragten Zeichen eines Burnouts an, und von diesen hatten gut 40 % chronische Symptome. Verbreitete Stressfaktoren sind die Behandlung schwieriger Kinder, Zeitdruck und hohe Konzentration über einen langen Zeitraum.
  • Sehstörungen sind ebenfalls häufig – dabei sind sie meist vermeidbar. Schutzbrillen sind beim Personal nicht beliebt, dabei verhindern sie Verletzungen durch rotierende Instrumente und spritzende Chemikalien. Die neurotoxischen Eigenschaften von Quecksilber können dazu führen, dass Farben und Kontraste beim Sehen schlechter wahrgenommen werden.
  • Verletzungen mit spitzen oder scharfen Instrumenten bergen das Risiko einer Infektion mit Hepatitis B, Hepatitis C oder HIV. In einer deutschen Befragung gaben 62 % der Zahnärzte an, sich schon einmal bei der Arbeit gestochen oder geschnitten zu haben. Seltener sind Bisswunden (aber auch sie kommen vor).
  • Lärm kann das Hörvermögen beeinträchtigen. Wichtigste Prophylaxe-Maßnahme: leise Instrumente. Der Hörverlust ist irreversibel, ebenso wie jener, der durch Quecksilber verursacht wird.
  • Quecksilber ist überhaupt ein großes Problem in Zahnarztpraxen. Auch wenn Amalgam in den meisten Ländern nicht mehr verwendet wird, ist die Exposition etwa zehnmal höher als die üblichen Grenzwerte zulassen. Studien fanden einen Zusammenhang zwischen Tremor bei Zahnärzten mit der Quecksilberexposition.
  • Allergien gibt es vor allem gegen Latex. Viele Zahnärzte und Zahnarzthelferinnen leiden unter einer chronischen Dermatitis, am häufigsten an den Händen. Zahnmedizin ist Feuchtarbeit – und die belastet die Haut ebenso wie Latexhandschuhe. Oft führt auch erst das Zusammenspiel beider Faktoren zu Hautproblemen.
  • Infektionen werden oft über Verletzungen übertragen (siehe oben). Ein kleines Arbeitsfeld, ein Patient, der sich bewegt, scharfe Instrumente – das Risiko ist höher als in fast allen anderen Berufen. Prophylaxe: möglichst sichere Instrumente und Impfungen.

Quelle
Moodley R, Naidoo S, van Wyk J: The prevalence of occupational health-related problems in dentistry: A review of the literature. J Occup Health 2018; 60: 111–125

DE/ENG/0001/18f, Jun18