63 Kanzerogene listen die IARC Monographs auf, denen Beschäftigte am Arbeitsplatz ausgesetzt sein können.

Die ersten Erkenntnisse zu Karzinogenen kamen aus Studien über Arbeiter – wie jener Studie aus dem 18. Jahrhundert mit Schornsteinfegern, deren Skrotumkrebs mit dem Ruß aus den Schornsteinen in Zusammenhang gebracht wurde. Heute hat sich das Wissen um Arbeit und Krebs vervielfacht. Die Zahl der Todesfälle infolge arbeitsbedingter Krebserkrankungen wird aktuell auf weltweit 666.000 jährlich geschätzt.

Eine Liste der Karzinogene am Arbeitsplatz hilft, die (möglichen) Auswirkungen einer Exposition richtig einzuschätzen. So eine Liste zu erstellen, ist allerdings nicht einfach – es gibt weder eine allgemein anerkannte Definition noch eine einzelne Datenquelle. Recht brauchbare Daten liefert die International Agency for Research on Cancer (IARC) mit ihren IARC Monographs on Carcinogenic Risk to Humans. Ein aktuelles Update von Loomis et al. umfasst Daten der Jahre 1971–2017.

Von den 120 Substanzen, denen die IARC eine „ausreichende Evidenz für Karzinogenität” bescheinigt, liegen für 63 Erkenntnisse über eine Exposition am Arbeitsplatz vor. Für 59 von ihnen gibt es zumindest teilweise Daten aus Studien mit exponierten Arbeitern: 47 Einzelsubstanzen, Mischungen oder Strahlungen und 12 Beschäftigungsarten bzw. Verarbeitungsprozesse.

23 Krebsarten werden mit (mindestens) einem der 47 umschriebenen Karzinogene in Verbindung gebracht. Einige können durch verschiedene Stoffe verursacht werden, etwa Lungen-, Blasen- und Hautkrebs. Umgekehrt können einzelne Karzinogene verschiedene Krebsarten verursachen – manchmal auch mehrere beim selben Menschen. Die mit Abstand häufigste arbeitsbedingte Malignomart ist Lungenkrebs (23%), gefolgt von Haut- (10%), Knochen- (9%) und Blasenkrebs (7%).

Chemische Stoffe werden in den meisten Fällen eingeatmet oder über die Haut aufgenommen. Ionisierende Strahlung und Radionuklide betreffen potenziell den ganzen Körper – entsprechend groß ist die Bandbreite der durch sie hervorgerufenen Krebsarten.

Die Auflistung der IARC-Monografien ist vermutlich nicht vollständig – und erst recht nicht für die Ewigkeit gültig. Die Arbeitswelt wandelt sich in zunehmend schnellerem Tempo. In immer kürzeren Abständen werden neue Karzinogene aufgespürt, gleichzeitig werden epidemiologische Studie besser und genauer. Die IARC Monographs bilden aber zurzeit die wohl umfassendste Liste bekannter Karzinogene am Arbeitsplatz. Die Zusammenfassung von Loomis et al. zeigt Karzinogene, Tumorarten, Expositionsszenarien und -wege.

Quellen
Loomis D, Guha N, Hall AL, Straif K: Identifying occupational carcinogens: an update from the IARC Monographs. Occup Environ Med 2018; 75: 593–603

DE/ENG/0001/18i, Sep18