Beschäftigte in der Landwirtschaft sind vielfältigen Risiken ausgesetzt. Nur wenige Studien berücksichtigen das Zusammenspiel dieser Expositionen.

Giftige Pestizide, extreme Temperaturen, harte körperliche Arbeit, schwere Maschinen … Wer in der Landwirtschaft arbeitet, hat es mit zahlreichen Herausforderungen zu tun, von denen manche krank machen können. Einige sind recht gut untersucht; etwa die arbeitsmedizinischen Risiken einzelner chemischer Substanzen. Weniger bekannt sind die Synergien verschiedener Risiken. Eine französische Arbeitsgruppe hat gezielt nach Studien zu Co-Expositionen gesucht – und für die Jahre 1990–2015 nur 15 Arbeiten gefunden.

Etwa 80 % der Studien in dem Review widmen sich chemischen Mehrfachexpositionen – allesamt durch Pestizide. Die meisten führen zu einem erhöhten gesundheitlichen Risiko, vor allem für verschiedene Krebsarten (darunter Prostata- und Lungenkrebs), zytogenetische/DNA-Schäden sowie Atemwegserkrankungen. Bei Mehrfachexposition ist das Risiko nach diesen Studien messbar höher als nach Einzelexposition.

Physikalische Mehrfachexpositionen, etwa durch Vibration und Lärm, verdreifachen das Risiko für eine Lärmschwerhörigkeit.

Obwohl eine multiple Belastung durch biomechanische und physikalische Risikofaktoren in der Landwirtschaft die Regel sein dürfte, gibt es hierzu nur sehr wenige Untersuchungen. Zwei Studien belegen ein erhöhtes Risiko für Muskel-Skelett-Erkrankungen (zum Beispiel Schmerzen im unteren Rücken und Störungen der oberen Extremitäten) gegenüber Beschäftigten, die nur physikalischen
oder nur biomechanischen Risiken ausgesetzt waren.

Zu den Synergien physikalischer und chemischer Risiken oder biomechanischer und chemischer Risiken existieren keine Studien. Angesichts der Gegebenheiten in der landwirtschaftlichen Praxis sind diese nach Ansicht der Autoren dringend erforderlich.

Quellen
Nguyen THY, Bertin M, Bodin J et al.: Multiple exposures and coexposures to occupational hazards among agricultural workers: A systematic review of observational studies. Saf Health Work 2018; 9:239–248

DE/ENG/0001/18l, Dez18