Eine schwedische Datenbankauswertung zeigt: Das Risiko für Mesotheliome nach Asbestexposition steigt mit der Dosis. Aber auch nach niedrigen Expositionen können Mesotheliome auftreten.

Das Problem ist ein altes und zugleich hochaktuelles: Obwohl Asbest in den meisten Ländern lange verboten ist, treten immer noch Neuerkrankungen an Mesotheliomen auf. In Schweden, wo die
aktuelle Studie erstellt wurde, ist die Zahl der Mesotheliom-Fälle 35 Jahre nach der Verbannung von Asbest aus der Industrie nicht gesunken – dank besonders langer Latenzzeit.

Für die Studie nutzte das Forschungsteam Daten der Studie Nordic Occupational Cancer (NOCCA), die beruflich bedingte Krebserkrankungen in den fünf nordeuropäischen Ländern für die Jahre 1961– 2005 ausgewertet hat. 40,6% der Mesotheliome in NOCCA waren in Schweden aufgetreten. Über die Swedish NOCCA-job exposure matrix (JEM) wurden 29 Karzinogene identifiziert und die beruflich bedingte Exposition mit dem Auftreten der Mesotheliome in Relation gesetzt, um herauszufinden, ob eine Dosis-Wirkung-Beziehung besteht.

1416 der 2757 Mesotheliome bei Männern konnten eindeutig mit einer Asbestexposition in Verbindung gebracht werden. Das Risiko stieg mit der Intensität der Exposition – für eine hohe Exposition von 1,25–2,0 fb/ml betrug die Hazard Ratio 4,81. Es gab aber auch eine klare Dosis- Wirkung-Beziehung bei einer kumulativen Exposition. Diese konnte für alle Latenzzeiten nachgewiesen werden. Bis zu 50 Jahre nach der ersten Exposition stieg das Risiko, an einem Mesotheliom zu erkranken, danach sank es leicht.

Schon eine geringfügige Asbestexposition erhöhte dabei das Risiko – besonders wenn sie über einen längeren Zeitraum bestand: Kumulative Dosen unter 0,178 fb/ml führten zu einer Hazard Ratio von 2,3.

Ob auch andere Substanzen das Risiko für Pleura- oder Peritoneum-Mesotheliome erhöhen, ist nicht eindeutig. Auch die schwedische Studie bleibt eine klare Antwort schuldig. Zwar zeigte sich für 8 der untersuchten 29 Karzinogene ein statistischer Zusammenhang mit einem erhöhten Mesotheliom- Risiko, darunter Schweißrauch, Trichlorethylen und Blei. Die Autoren schließen aber nicht aus, dass Personen, die diesen Substanzen ausgesetzt waren, auch Kontakt mit Asbest hatten. Die Datenbank gibt nämlich nur über die Beschäftigung Auskunft, die Exposition lässt sich lediglich indirekt ermitteln – und in vielen Fällen kamen mehrere Karzinogene infrage.

Quellen
Plato N, Martinsen JI, Kjaerheim K et al.: Mesothelioma in Sweden: Dose-response analysis for exposure to 29 potential occupational carcinogenic agents. Saf Health Work 2018; 9: 290–295

DE/ENG/0001/18k, Nov18