Wie sehen die arbeitsmedizinischen Gesundheitssysteme in Europa aus? Ein Forschungsteam hat Experten in verschiedenen Ländern befragt und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede zusammengetragen.

Die Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung gilt in den meisten westlichen Ländern als hohes Gut – und angesichts des demografischen Wandels steigt ihr Wert eher noch. Arbeitsmedizinische Systeme sollen den Gesundheitszustand der Beschäftigten erfassen und dazu beitragen, ihn zu erhalten. Wie sehen die Systeme bei unseren Nachbarn aus? Das polnische Team hat Experten in 29 Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums befragt – 17 haben geantwortet.

In zehn der Länder ist eine arbeitsmedizinische Versorgung obligatorisch, in fünf Ländern nur für bestimmte Personengruppen, in zwei Ländern gibt es freiwillige Systeme. In zehn der untersuchten Länder steht das arbeitsmedizinische System nur Angestellten zur Verfügung (also jenen, die einen Arbeitsvertrag haben), in sieben allen Beschäftigten. Die Finanzierung wird fast überall (in 15 der 17 Länder) weitgehend oder ausschließlich von den Arbeitgebern geleistet.

Vornehmliche Aufgabe des arbeitsmedizinischen Systems ist die Attestierung der Arbeitsfähigkeit (oder der Nicht-Arbeitsfähigkeit) für die geplante Tätigkeit. Zwei Länder sehen vor, potenziell gesundheitsschädliche Einflüsse am Arbeitsplatz auszumachen und ggf. Behandlungen einzuleiten. Einige der befragten Experten listeten außerdem noch auf: Gesundheitsüberwachung, beratende und pädagogische Aktivitäten für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Frühdiagnostik und Prävention arbeitsbezogener Erkrankungen.

Arbeitsmedizinische Systeme sind also weit verbreitet, Arbeitsmediziner für ihre Aufgaben gut ausgebildet und ausgestattet. Die Autoren plädieren deshalb dafür, ihre Zuständigkeit auf nicht-arbeitsbezogene Kontexte auszudehnen. Schließlich sehen die meisten Beschäftigten in vorgegebenen Abständen einen Arbeitsmediziner, ihren Hausarzt hingegen nicht unbedingt. Gute Voraussetzungen für öffentliche Gesundheitsaufgaben – die in einigen Ländern bereits von der arbeitsmedizinischen Versorgung mitübernommen werden.

Quellen
Sakowski P, Marcinkiewicz A: Health promotion and prevention in occupational health systems in Europe. Int J Occup med Environ Health 2019; 32 (3)

NP-DE-MLV-BRFS-190001, Mär. 2019