Licht ist der stärkste Zeitgeber für unsere innere Uhr. Ein Bochumer Forschungsteam hat festgestellt: Bei Nachtarbeit wird es selten richtig hell – aber auch nur kurz richtig dunkel.

Nachtarbeit bringt gesundheitliche Risiken mit sich – das gilt mittlerweile als gesichert. Welche Mechanismen genau die Gesundheit beeinträchtigen, ist allerdings noch nicht geklärt. Eine Studie des Bochumer Instituts für Prävention und Arbeitsmedizin (IPA) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung hat sich auf den blauen Teil des Lichts konzentriert und die Exposition minutiös über ganze Tage aufgezeichnet.

Das blaue Spektrum ist der sichtbare Teil des Lichts, der von den Augen und vom Gehirn wahrgenommen wird und unseren Tagesrhythmus synchronisiert. Blaues Licht ist in Sonnenlicht enthalten, aber auch in Lampenlicht und anderen Lichtquellen, wie Bildschirmen. Es beeinflusst den Hormonhaushalt und hemmt unter anderem die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin.

In der Studie zeichneten Lichtmessgeräte die Lichtexposition bei Krankenschwestern im Schichtdienst alle 10 Sekunden auf, differenziert nach Spektralbereichen.

An Tagen mit Nachtschichten bekamen die Krankenschwestern insgesamt deutlich weniger blaues Licht ab. Dafür waren sie in dieser Zeit täglich etwa 4 Stunden länger dem Licht ausgesetzt. Die Lichtexposition am Tag und in der Nacht unterschied sich während der Nachtschicht-Phasen deshalb nur sehr wenig. Der starke Zeitgeber Licht kann seine Wirkung in dieser Zeit kaum entfalten – eine mögliche Ursache für einen gestörten zirkadianen Rhythmus.

Die Blaulichtexposition zeigte für die Phasen mit Nachtarbeit eine bimodale Kurve: Die höchsten Werte wurden nachmittags zwischen 16 und 17 Uhr erreicht, ein zweiter Gipfel ergab sich zwischen 21 Uhr und Mitternacht. Die dunkelste Zeit war für Nachtarbeiterinnen vormittags zwischen 9 und 12 Uhr. Während Tagschichten genossen die Probandinnen hingegen zwischen 8 und 17 Uhr eine kräftige Lichtexposition – und zwischen 20 und 7 Uhr ziemliche Dunkelheit.

Im Vergleich zu Tagen mit Tagesschichten bekamen Nachtarbeitende also sowohl zu wenig Licht (weniger starkes Licht) als auch zu viel (längere Lichtexposition). Änderungen sind für den zweiten Punkt leichter umzusetzen: Während des Schlafs sollte der Raum möglichst gut abgedunkelt sein. In der Freizeit (also vor allem nachmittags) kann es sinnvoll sein, möglichst viel Licht zu tanken. Hier hatten in der Studie vor allem späte Chronotypen und Mütter die Nase vorn – letztere vermutlich wegen der häufigeren Spielplatzbesuche am Nachmittag.

Quellen
Rabstein S, Burek K, Lehnert M et al.: Differences in twenty-four-hour profiles of blue-light exposures between day and night shifts in female medical staff. Sci Tot Environ 2019; 653: 1025–1033

NP-DE-MLV-BRFS-190002, Apr. 2019