Mediziner haben erschreckend hohe Burnout-Raten – in Deutschland und weltweit

Wissen und Handwerk anwenden, um Kranken zu helfen und Krankheitsprävention umzusetzen – was für ein schöner Beruf! Doch viele Ärztinnen und Ärzte zahlen einen hohen Preis für ihr Engagement: Die Burnout-Raten sind hoch.

Ein internationales Literatur-Review fand zwar sehr unterschiedliche Burnout-Prävalenzen zwischen 0% und 80,5%, im Mittel lag die Gesamt-Burnout-Rate in 182 Studien aus 45 Ländern aber bei 67,0%. Die Unterkategorien emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung und niedrige persönliche Leistung kamen auf jeweils 72,0%, 68,1% und 63,2%. Erschreckende Zahlen.

Eine deutsche Erhebung unter Allgemeinmedizinern kommt auf 34,1% für emotionale Erschöpfung, 29,0% für Depersonalisierung und 21,5% für niedrige persönliche Leistung. Besonders hoch waren die Zahlen für Ärztinnen sowie für alle, die mit ihrem Job unzufrieden waren, eine schlechte Work-Life-Balance hatten und/oder wenig stressregulierende Maßnahmen anwandten. Die Burnout-Prävalenz bei Allgemeinärzten in Einzelpraxen betrug 28,8%, in Gemeinschaftspraxen sogar 37,9%.

Ganz aktuell hat eine Querschnittsstudie aus Pakistan Internisten im Land unter die Lupe genommen. 33,8% von ihnen hatten Anzeichen eines mittleren bis starken Burnouts. 47,8% zeigten hohe Werte für emotionale Erschöpfung, 24% für Depersonalisierung, 25,4% für niedrige persönliche Leistung. Besonders häufig waren Singles ausgebrannt und alle, die sehr viel arbeiteten – mehr als 60 Stunden pro Woche und mehr als zwei Bereitschaftsdienste pro Woche ließen das Risiko massiv nach oben schnellen.

Ob ein Drittel wie in der deutschen und der pakistanischen Studie oder zwei Drittel wie im Schnitt des internationalen Reviews; Burnout ist unter Ärztinnen und Ärzten sehr verbreitet. Die Autoren der pakistanischen Erhebung halten diese Tatsache für systemimmanent. „Burnout ist ein unvermeidbarer Nebeneffekt eines Berufs, der immer den Mythos der Unverwundbarkeit und das Überleben der Stärksten verherrlicht hat“, beschreiben Shaikh et al. ihr „mehr als schockierende Ergebnis“. Sie fordern deshalb „Hilfe für diejenigen, die für Heilung und Fürsorge verantwortlich sind“.

Quellen
Rotenstein LS, Torre M, Ramos MA et al.: Prevalence of burnout among physicians: A systematic review. JAMA 2018; 320: 1131–1150
Shaikh AA, Shaikh A, Kumar R, Tahir A: Assessment of burnout and its factors among doctors using the abbreviated Maslach Burnout Inventory. Cureus 2019; 11: e4101
Dreher A, Theune M, Kersting C, Geiser F, Weltermann B: Prevalence of burnout among German general practitioners: Comparison of physicians working in solo and group practices. PLoS One 2019; 14: 30211223

NP-DE-MLV-BRFS-190003, Mai19