Sportverletzungen bei Berufssportlern sind Arbeitsunfälle – allerdings werden sie von vielen Betroffenen kaum als solche gesehen. Überhaupt hat Arbeitssicherheit es im Spitzensport schwer

„Eine eklatante Missachtung des eigenen Wohlergehens scheint fast eine Voraussetzung für Erfolg auf höchstem Niveau zu sein“, hat der schottische Ex-Rugbyspieler Rory Lamont einmal gesagt. Der harte Wettbewerb im Leistungssport bringt viele Sportler hervor, die um jeden Preis gewinnen wollen und dabei wenig Rücksicht auf die eigene Gesundheit nehmen.

Die hohe Risikobereitschaft kann sowohl kurzfristig als auch langfristig Auswirkungen auf die Gesundheit der Betroffenen haben. Eine britische Statistik etwa bescheinigt Fußballprofis ein 1000-fach höheres Verletzungsrisiko als Hoch-Risiko-Berufen auf dem Bau und im Bergwerk – auch eine Folge der arbeitsmedizinischen Prävention für Letztere.

In Sportorganisationen ist die Arbeitsmedizin weniger etabliert, obwohl mehr Prävention hier bitter nötig wäre, wie das Beispiel zeigt. Ein Studienreview hat drei Ebenen ausgemacht, auf denen Hindernisse zu überwinden sind:

  • Organisatorisches Sicherheitsmanagement
    Die Wettkampfkultur im Leistungssport ist nicht besonders förderlich für eine sichere Arbeitsumgebung. Spitzensportler werden zum Beispiel animiert, auch mit Schmerzen an Wettkämpfen teilzunehmen und sich nach Verletzungen schnell wieder fit zu melden.
  • Gesellschaftliche Faktoren
    Trainer, Familie, Freunde, Kollegen und Medien haben das Bild des toughen Sportlers oft verinnerlicht. Dieses Image, der Wunsch, das Team nicht im Stich zu lassen, als auch direkte Nachteile durch eine Trainings- oder Wettkampfpause führen zu Phänomenen wie dem Verheimlichen von Verletzungen und deren Folgen.
  • Individuelle Faktoren
    Wie ausgeprägt solche Phänomene sind, hängt auch von der Persönlichkeit jedes Sportlers ab – und von seinen Erfahrungen. Verletzungen können dazu führen, dass Sportler größere Angst vor erneuten Verletzungen haben – und vielleicht Vorsichtsmaßnahmen ernster nehmen. Andererseits sind erfahrene Sportler oft noch weniger gewillt, Regelungen zur Arbeitssicherheit zu beachten.

Für die Arbeitsmedizin gibt es nach Ansicht der Autoren hier noch viel zu tun – und auch für gesetzliche Regelungen. Ist etwa Schutzkleidung (wie Helme oder Beißschutz) bei Wettkämpfen vorgeschrieben, wird sie von wesentlich mehr Sportlern getragen. Eine Sicherheitskultur im Spitzensport zu etablieren, erfordert aber auch einen langen Atem und muss das Team ins Boot holen, darunter Trainer und andere Betreuer.

Quellen
Chen A, Buggy C, Kelly S: Winning at all costs: a review of risk-taking behavior and sporting injury from an occupational safety and health perspective. Sports Med Open 2019; 5: 15

NP-DE-MLV-BRFS-190005, Jul19