Eine neue AMR sieht eine Pneumokokken-Impfung für Schweißer:innen vor.

Schweißer:innen haben ein erhöhtes Risiko, an Pneumonien zu erkranken und an ihnen zu sterben. In einer schwedischen Kohortenstudie war das relative Risiko, infolge einer Pneumonie zu sterben, für Konstruktionsarbeiter:innen, die gegenüber Metallrauch exponiert sind, gut doppelt so hoch (RR 2,3) wie für Nicht-Exponierte. Noch eindrucksvoller war die Mortalität infolge Pneumokokken-Pneumonie: Sie lag fast 6 mal höher als bei nicht-exponierten Arbeiter:innen.

Pneumokokken sind opportunistische Keime. Sie sind bei etwa 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung in den oberen Atemwegen nachweisbar.

Beim Schweißen und Trennen von Metallen entstehen Metallrauche, Gase, Dämpfe und Stäube, die verschiedene Chemikalien enthalten. Werden diese inhaliert, können sie lokale Abwehrmechanismen vor allem im unteren Atemtrakt beeinträchtigen – Pneumokokken haben es in der Folge leichter, sich an das Epithel zu heften und eine Infektion hervorzurufen.

Einen sicheren Schwellenwert gibt es nicht. Auf Basis bisheriger Untersuchungen geht man aber davon aus, dass hohe Schweißrauchexpositionen erforderlich sind, um das Risiko für eine Pneumokokken-Pneumonie merklich zu erhöhen, und dass das erhöhte Risiko nur während der beruflichen Schweißrauchexposition besteht – wird die Tätigkeit beendet, fällt das Risiko rasch wieder auf den Wert für die Allgemeinbevölkerung.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt deshalb die Impfung gegen Pneumokokken (neben anderen Risikogruppen) auch für Personen, die beruflich Tätigkeiten wie Schweißen und Trennen von Metallen ausführen.

Die neue Arbeitsmedizinische Regel (AMR) 6.7 sieht vor, dass Schweißer:innen im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge eine Pneumokokken-Impfung angeboten wird. Entscheiden sich die Beschäftigten für die Impfung, soll diese in der Regel mit einer Einzelgabe des 23-valenten Polysaccharid-Impfstoffs (PPSV23) erfolgen.

Eine Überprüfung des Impferfolgs ist nicht erforderlich. Nach Information der STIKO soll die Impfung mit PPSV23 mit einem Mindestabstand von 6 Jahren wiederholt werden, solange die Exposition andauert.

Quellen
Arbeitsmedizinische Regel (AMR) 6.7: Pneumokokken-Impfung als Bestandteil der arbeitsmedizinischen Vorsorge bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durch Schweißen und Trennen von Metallen. Bekanntmachung im Gemeinsamen Ministerialblatt (GMBl) Nr. 19, 12. Juni 2019, S. 374
Robert Koch-Institut: Wissenschaftliche Begründung für die Aktualisierung der Empfehlungen zur Indikationsimpfung gegen Pneumokokken für Risikogruppen. Epidemiologisches Bulletin Nr. 37, 19. September 2016

NP-DE-AVX-BRFS-190001, Jul19