Arbeitsplatzgrenzwert? Immissionsgrenzwert? Innenraumrichtwert? Wann greift für die Exposition gegenüber Gefahrstoffen eigentlich welche Regelung?

Gehen Beschäftigte am Arbeitsplatz (etwa in einem Labor) mit Gefahrstoffen um, ist die Sache noch relativ klar: Hier greift die Gefahrstoffverordnung. Wie aber sieht es aus, wenn kritische Substanzen im Nachbarraum verwendet werden, oder wenn der Umgang mit ihnen unter freiem Himmel stattfindet? Expert:innen (u.a. der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin; BAuA) diskutieren in einem Fachartikel für verschiedene Situationen, wann welche gesetzliche Regelung greift.

Sie teilen die Situationen danach ein, ob Tätigkeiten mit Gefahrstoffexposition vorliegen oder nicht, und ob es sich um geschlossene oder offene Bereiche handelt. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Kriterien:

1. Tätigkeiten in geschlossenen und teilweise geschlossenen Bereichen mit Gefahrstoffen

Bereich: mindestens ein Dach/eine Decke und zwei Wände (nach TRGS 554)
Beispiel: industrielle Produktion, Baugewerbe, Kfz-Werkstätten
Regelung: Gefahrstoffverordnung
Beachten: Gilt für alle Exponierten – egal ob sie selbst Tätigkeiten mit Gefahrstoffen ausüben oder nicht.

2. Tätigkeiten in geschlossenen Bereichen ohne Gefahrstoffe (Innenraumarbeitsplätze)

Bereich: mindestens ein Dach/eine Decke und zwei Wände (nach TRGS 554)
Beispiel: Büros, Verkaufsräume, Schulen, Krankenhäuser
Regelung: Arbeitsstättenverordnung, Immissionsgrenzwerte
Beachten: An Innenraumarbeitsplätzen muss ausreichend gesundheitliche zuträgliche Atemluft vorhanden sein; das ist in der Regel der Fall, wenn die Atemluft der Außenluftqualität entspricht. – Das Überschreiten von
Immissionsgrenzwerten führt nicht automatisch zu Konsequenzen bei Beschäftigten.

3. Tätigkeiten im Freien mit Gefahrstoffen

Bereich: im Freien ohne Dach/Decke bzw. mit weniger als zwei Wänden, auch Schächte und Baugruben mit einer Grundfläche < 100 m2 (nach TRGS 554)
Beispiel: Sanierungsarbeiten im Rahmen des Umweltschutzes, Wald- und Forstarbeiten, Straßenbau
Regelung: Gefahrstoffverordnung
Beachten: Umweltbedingungen (Wind, Luftfeuchte) beeinflussen die Messergebnisse.

4. Tätigkeiten im Freien und in teilweise geschlossenen Bereichen ohne Gefahrstoffe

Bereich: im Freien ohne Dach/Decke bzw. mit weniger als zwei Wänden (nach TRGS 554)
Beispiel: Hofaufsicht in Schule oder Kindergarten, Außenbereiche von Gaststätten
Regelung: Arbeitsstättenverordnung, Immissionsgrenzwerte
Beachten: Für Belastungen mit Stäuben gelten Immissionsgrenzwerte für Feinstaubfraktionen PM2,5 und PM10.

In speziellen Fällen kann es noch komplizierter werden, etwa bei Beurteilung der Luftqualität in Fahrzeugen. Das Schema hilft aber bei einer ersten Einordnung, weiterführende Kriterien werden in dem Artikel aufgeführt.

Quellen
Hebisch R, Kuhlbusch T, Bux K, Breuer D, Lahrz T: Gefahrstoffe am Arbeitsplatz – Arbeitsplatzgrenzwert, Immissionsgrenzwert oder Innenraumrichtwert? Gefahrstoffe – Reinhaltung der Luft 2019; 79: 255–259

NP-DE-MLV-BRFS-190007, Sep19