Die aktuelle Epidemie fordert uns heraus. Für Arbeitsmedizinerinnen und Arbeitsmediziner geht es jetzt vor allem darum, wie Beschäftigte sich schützen können – und für wen das besonders wichtig ist.

Diese besonderen Zeiten verlangen uns allen neue Fähigkeiten ab: Abstand halten, sich in ungewohnten Arbeitsformen zurechtfinden, flexibel sein. Das gilt natürlich auch für Arbeitsmedizinerinnen und Arbeitsmediziner. Wie sieht ihre Arbeit sonst in Zeiten von Corona aus?

Weil wissenschaftliche Erkenntnisse zu SARS-CoV-2 naturgemäß noch spärlich sind, können wir kaum auf Forschungswissen zurückgreifen. Das Netzwerk Evidenz-basierte Medizin (EbM-Netzwerk) hat Ende März die vorhandenen Erkenntnisse zu COVID-19 und nicht-pharmakologischen Interventionen (NPI) beleuchtet. Es stellt fest: „Es gibt insgesamt noch sehr wenig belastbare Evidenz – weder zu COVID-19 selbst, noch zur Effektivität der ergriffenen Maßnahmen. Aber es ist nicht auszuschließen, dass die COVID-19 Pandemie eine ernstzunehmende Bedrohung darstellt, und NPIs – trotz weitgehend fehlender Evidenz – das einzige sind, was getan werden kann, wenn man nicht einfach nur zusehen und hoffen will.“

Für Arbeitsmedizinerinnen und Arbeitsmediziner heißt das vor allem: schauen, wer einem besonders großen Infektionsrisiko ausgesetzt ist.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) schreibt dazu: „Für den Arbeitsschutz gilt, wenn eine beschäftigte Person aufgrund ihrer Arbeit mit biologischen Arbeitsstoffen umgeht, ist die Biostoffverordnung anzuwenden (§ 4 BioStoffV). Biostoffe wie Viren, Bakterien etc. müssen in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden.“

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) sieht das höchste Infektionsrisiko bei jenen, die unmittelbaren Kontakt zu infizierten Personen haben – also vor allem

  • in Arzt- oder Zahnarztpraxis, im Krankenhaus oder beim Transport von Infizierten
  • bei Tätigkeiten im Sozialwesen
  • bei Tätigkeiten in Laboratorien, in denen Verdachtsproben auf Erreger untersucht werden

„Aus den Gefährdungen muss der Arbeitgeber Schutzmaßnahmen für seine Beschäftigten ableiten und umsetzen“, erinnert das BMAS. „Die Maßnahmen können technisch und organisatorisch sein, wie etwa die Abtrennung der Arbeitsbereiche oder die Beschränkung der Mitarbeiterzahl. Bei entsprechender Gefährdung hat der Arbeitgeber außerdem persönliche Schutzausrüstung wie beispielsweise Schutzhandschuhe oder Atemschutz zur Verfügung zu stellen. Zu den Gefährdungen sind die Beschäftigten über eine Unterweisung allgemein sowie über eine arbeitsmedizinische Vorsorge individuell zu beraten.“

Das BAuA hat auf seiner Website FAQs zu SARS-CoV-2 in der Arbeitswelt zusammengestellt: https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Biostoffe/Coronavirus-FAQ.html

Quellen
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): Aktuelle Informationen zum Coronavirus SARS-CoV-2. Der Umgang mit Covid-19 am Arbeitsplatz. www.baua.de
Deutsches Netzwerk Evidenz-basierte Medizin (EbM-Netzwerk): COVID-19: Wo ist die Evidenz? März 2020. www.ebm-netzwerk.de
Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BAMS): Arbeits- und arbeitsschutzrechtliche Fragen zum Coronavirus (SARS-CoV-2). www.bmas.de

NP-DE-MLV-WCNT-20000, Apr20