Wer mit Kranken arbeitet, steckt sich leichter mit Tuberkulose an als andere Menschen – oder? Eine Meta-Analyse hat untersucht, ob das auch für Länder gilt, in denen Tbc eher selten ist.

In Deutschland ist die Tuberkulose-Inzidenz niedrig, das Ansteckungsrisiko entsprechend gering. Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, kommen aber beruflich eher mit Infizierten in Kontakt als die Allgemeinbevölkerung. Tatsächlich gehört Tuberkulose (Tbc) zu den häufigsten Infektionen, die als Berufskrankheit anerkannt werden.
Im Gegensatz zu den meisten vorangegangenen Arbeiten konzentriert sich der Review mit Meta-Analyse von Peters et al. auf Länder mit eher hohem Durchschnittseinkommen und Erhebungen mit dem Gamma-Interferon-Test, der eine höhere Spezifität hat als der Tuberkulin-Test sowie einen guten negativen Vorhersagewert und deswegen gut geeignet ist zum Ausschluss latenter Tuberkulose-Infektionen.

57 entsprechende Studien fand das Team des Universitätsklinikums Eppendorf in Hamburg, davon 5 aus Deutschland. Die Prävalenzen latenter Tbc-Infektionen rangierten in den Einzelstudien zwischen 0,9 % und 85,5 %. Wurden die Raten für ganze Regionen zusammengezählt, ergaben sich die niedrigsten gepoolten Effektschätzungen für nordamerikanische und westpazifische Länder (

Einige Untersuchungen identifizierten innerhalb der Gruppe der Gesundheitsprofis höheres Lebensalter als Risikofaktor, in anderen war vor allem Personal aus Ländern mit einer hohen Tbc-Inzidenz betroffen. Berufliche Risikofaktoren waren hohes Dienstalter, Arbeitsplätze mit einer hohen Exposition und auch bestimmte Tätigkeiten.

In einigen Originalstudien hatten Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegepersonal ein höheres Infektionsrisiko. In der Meta-Analyse insgesamt konnte innerhalb der Gruppe der Beschäftigten im Gesundheitswesen ein erhöhtes Risiko allerdings nur für Verwaltungsangestellte errechnet werden – zur Überraschung der Autorinnen und Autoren. In den meisten einbezogenen Studien war allerdings nicht genau definiert, wer zu dieser Gruppe gehört; die Implikationen für die Praxis sind deshalb weitgehend unklar. Möglicherweise beziehen sich die hohen Infektionsraten auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die Daten der Behandelten aufnehmen oder viel Kontakt zu medizinischem Personal haben.

Klar ist in jeden Fall: Wer im Gesundheitswesen arbeitet, hat ein deutlich höheres Risiko, sich mit Tbc zu infizieren, als die Durchschnittsbevölkerung – und viele Infektionen bleiben klinisch unauffällig.

Quellen
Peters C, Kozak A, Nienhaus A, Schablon A: Risk of occupational latent tuberculosis infection among health personnel measured by interferon-gamma release assays in low incidence countries – a systematic review and meta-analysis. Int J Environ Res Public Health 2020; 17: 581

NP-DE-MLV-BRFS-200004, Jul20