Sorgen gesetzliche Bestimmungen zum Arbeitsschutz wirklich für mehr Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz? Ja, sagt ein Literaturreview.

Gelegentlich hört man, gesetzliche Regelungen zum Arbeitsschutz seien wirkungslos; freiwillige Bemühungen hätten mehr Potenzial, Beschäftigte vor gesundheitlichen Schäden infolge ihrer beruflichen Tätigkeit zu schützen. Stimmt das? Eine dänische Arbeitsgruppe hat die Literatur dazu gesichtet.

Die 45 publizierten Originalarbeiten und 16 Veröffentlichungen der grauen Literatur (also Kongressberichte, Privatdrucke und Ähnliches) zwischen 1966 und Februar 2017, die die Einschlusskriterien der Gruppe erfüllten, ordnete sie fünf Themenfeldern zu:

  1. Einführung gesetzlicher Regelungen zum Arbeitsschutz
  2. Inspektionen/Kontrollen zur Durchsetzung der Regelungen
  3. Schulungen, etwa zur Wissensvermittlung
  4. Kampagnen
  5. Einführung technischer Vorrichtungen (zum Beispiel mechanischer Hebehilfen)

Um es vorweg zu nehmen: Die wissenschaftliche Evidenz der gefundenen Studien bewerten die Autorinnen und Autoren als eingeschränkt bis mittelmäßig. Trotzdem sehen sie ein einheitliches Bild zugunsten des staatlichen Arbeitsschutzes, insbesondere was gesetzliche Bestimmungen und Kontrollen am Arbeitsplatz angeht.

Erstkontrollen, Folgebesuche und solche, die durch Beschwerden oder Unfälle ausgelöst werden, führten zu höheren Compliance-Raten – ebenso wie Vorladungen und Strafmaßnahmen, die zusätzlich halfen, die Zahl von Verletzungen zu senken.

Viele Erhebungen haben regionale Veränderungen untersucht und dabei direkte zeitliche Zusammenhänge nachgewiesen. So fand eine Studie im US-Bundesstaat Washington zwischen 1998 und 2003 nach Einführung entsprechender Vorschriften eine Abnahme der ergonomischen Belastung an hoch belasteten Industriearbeitsplätzen – und nach Aufhebung der Regelungen 2003 einen Wiederanstieg. Arbeitgeber, die Bestimmungen und Empfehlungen umsetzen, berichten von weniger Unfällen und Fehlzeiten.

Weniger Regulierungen sind nach Ansicht der Arbeitsgruppe deshalb nicht das richtige Mittel, den Arbeitsschutz effektiv umzusetzen, sondern im Gegenteil eine konsequente Umsetzung und Verbesserung der bestehenden Maßnahmen.

Quellen
Andersen JH, Malmros P, Ebbehoej NE et al.: Systematic literature review on the effects of occupational safety and health (OSH) interventions at the workplace. Scand J Work Environ Health 2018 Oct 29 [Epub ahead of print]

DE/ENG/0001/19, Jan19