Fernreisen gehören für viele Menschen zum beruflichen Alltag. Häufig wird dabei das Risiko exotischer Erkrankungen unterschätzt. Das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin (IPA) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung berichtet über einen Beschäftigten, der in China an Japanischer Enzephalitis erkrankte.

Der 54-jährige Ingenieur testete in der Provinz Yunnan elektrische Anlagen in einer ländlichen Region, meist im Freien. Nach Kopfschmerzen und einer Blutdruckentgleisung entwickelte er Fieber und wirkte zunehmend verwirrt, später kam ein Intentionstremor der Hände dazu. Im Lumbalpunktat fand sich IgM gegen das Japanische-Enzephalitis-Virus (JEV), IgG war negativ. Ein cMRT zeigte Thalamus-Veränderungen, die im Rahmen der Infektion entstehen können.

Nach weitgehend symptomatischer Behandlung in China und Hongkong konnte der Patient im Folgemonat aus der stationären Therapie entlassen werden. Weitere zwei Monate später kehrte er nach Deutschland zurück. Bei einer betriebsärztlichen Nachuntersuchung bestanden keine gesundheitlichen Einschränkungen infolge der Erkrankung mehr. Die Enzephalitis wurde als Berufskrankheit nach Nr. 3104 („Tropenkrankheiten, Fleckfieber“) anerkannt.

Die Japanische Enzephalitis kommt hauptsächlich im asiatischen Raum vor, vor allem in ländlichen Regionen mit Reisfeldern und Sümpfen. Sie wird durch Stechmücken übertragen. Die meisten Infektionen verlaufen asymptomatisch. Treten Symptome auf, reicht das Spektrum von grippalen Symptomen bis Meningitis oder Enzephalitis. Bei rund einem Drittel der Erkrankten heilt die Erkrankung ohne Folgen aus. Je ein weiteres Drittel stirbt oder behält hirnorganische Schäden zurück. Nach Schätzungen der WHO treten jedes Jahr 35.000 bis 50.000 Erkrankungen mit mehr als 10.000 Todesfällen auf.

Neben allgemeinen Maßnahmen zur Prävention, vor allem zum Mückenschutz, steht seit 2009 ein Totimpfstoff gegen das JEV zur Verfügung. Er ist effektiv (nahezu 100 Prozent Serokonversion) und gut verträglich. Ist eine länger anhaltende Exposition geplant, wird eine Booster-Impfung nach 12 bis 24 Monaten empfohlen, dann nach 10 Jahren eine Auffrischimpfung.

Die Autorinnen und Autoren des Fallberichts betonen die Bedeutung der reisemedizinischen Beratung bei Dienstreisen oder Auslandseinsätzen – sie ist Bestandteil der arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV). Grundlage der Beratung ist eine Gefährdungsbeurteilung für den Reisenden. Weil zu den daraus abzuleitenden Maßnahmen oft auch Impfungen gehören, ist eine frühzeitige Beratung wichtig – spätestens fünf bis sechs Wochen vor Abreise.

Für eine individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung sollten Betriebsärzte sich genau über das Einsatzgebiet informieren. Reisemedizinische Informationen gibt es zum Beispiel beim Robert Koch-Institut und beim Auswärtigen Amt.

Quellen
Beine A, Hoffmeyer F, Bünger J: Bedeutung der reisemedizinischen Beratung. Am Beispiel der japanischen Enzephalitis. IPA-Journal 2/2019, S. 6–10
Japanische Enzephalitis (JE). Merkblatt für Beschäftigte und Reisende. Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amts

NP-DE-MLV-WCNT-190014, Okt19