Sozialarbeiter haben mit Menschen zu tun – aber auch mit Bürokratie, Zahlen und Schicksalen. Gemütlich ist dabei wenig.

Die Arbeit mit Obdachlosen oder Flüchtlingen ist kein Auslaufmodell – wir haben es mit anhaltend vielen Flüchtlingen und Obdachlosen zu tun, die (auch) sozial betreut werden müssen. Wie es den Menschen geht, die diese Arbeit leisten, und was ihnen hilft, mit den Anforderungen des Jobs zurechtzukommen, darüber wissen wir relativ wenig. Ein Hamburger Forschungsteam hat sie gefragt.

253 Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter aus Berlin, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern nahmen teil an der quantitativen Online-Befragung mit Fragebögen speziell für diese Zielgruppe.

Die Befragten berichteten vor allem von einer großen emotionalen Belastung, gleichzeitig empfinden sie ihre Arbeit als sinnvoll. Die persönlichen Schicksale und Nöte ihrer Klienten nahmen sie sehr in Anspruch – aber auch auf den ersten Blick banalere Alltagsprobleme wie Sprachbarrieren oder rechtliche und bürokratische Hürden. Viele wünschten sich mehr psychosoziale Unterstützung und rechtliche Information.

Auch Gewalt gehört zum Berufsalltag: Im Jahr vor der Befragung hatten 30 Prozent körperliche Aggression erfahren, 75 Prozent verbale Angriffe.

Insgesamt zeigten die Studienteilnehmer ein deutlich höheres Stressniveau als die Durchschnittsbevölkerung – und eine etwas geringere Arbeitszufriedenheit.

Je höher die Arbeitsanforderungen (also zum Beispiel die Zahl der Betreuten), desto größer war der empfundene Stress. Am besten geschützt davor waren jene mit einer hohen Resilienz. Und je mehr Sinn sie in ihrer Arbeit sahen, umso zufriedener waren sie mit ihrem Job.

Die Autorinnen und Autoren stellen einen Bedarf an verhaltens- und strukturbezogenen Maßnahmen zur Gesundheitsförderung fest – und schlagen gleich ein paar vor. Zum Beispiel solle die Arbeitsbelastung reduziert werden, um eine Gesundheitsschädigung durch Überforderung zu verhindern – also weniger Fälle pro Person und ein besserer Personalschlüssel. Supervision und Fallbesprechungen könnten helfen, die Schicksale der Betreuten besser zu ertragen, regelmäßige Trainings auf gewaltbeladene Situationen vorbereiten. Resilienz und Selbstfürsorge könnten mit speziellen Maßnahmen trainiert werden.

Quellen
Robelski S, Mette J, Wirth T et al.: (Un)bounded Social Work? – Analysis of Working Conditions in Refugee and Homeless Aid in Relation to Perceived Job Stress and Job Satisfaction. Int J Environ Res Public Health 2020; 17: 601

NP-DE-MLV-WCNT-200006, Mrz20